Die bedrückende Lebengeschichte des KZ-Überlebenden Menachem Kallus hinterließen einen tiefen Eindruck bei den Schülern des Christian von Mannlich Gymnasiums.
„Als der Zweite Weltkrieg in Holland begann, war ich acht Jahre alt, als er aufhörte, war ich 13. Doch ich war kein Kind mehr, ich war ein Erwachsener geworden. Weil ich das Leben eines Erwachsenen führen musste.“ Eindringlich schilderte der KZ-Überlebende Menachem Kallus seine Leidenszeit im Dritten Reich. Seine Zuhörer: Schüler des Homburger Mannlich-Gymnasiums.
Menachem Kallus, holländischer Jude mit ungarischen Wurzeln, erlebte als Kind den Einmarsch der Wehrmacht. Detailliert schilderte er seinen jungen Zuhörern die Repressalien des Nazi-Terrors und die Systematik, mit der Hitler-Deutschland die besetzten Gebiete unter seine Kontrolle brachte. „Es gab zwei wesentliche Vorgehensweisen. Zum einen setzten die Besatzer auf das System von ‘Teile und herrsche’, indem sie immer nur einzelne Bevölkerungsgruppen bedrängten und so vermieden, dass sich das gesamte Volk erhob. Zum anderen wurden viele Unterdrückungsmechanismen langsam und mit kleinen Schritten in Gang gesetzt.“ In seinen Ausführungen schilderte Menachem Kallus minutiös auch die schrittweise Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung und das „Gewöhnen“ der nicht-jüdischen Holländer an die beginnenden Gräueltaten, die auch in Holland vor den Juden keinen Halt machten. „Als wir gezwungen wurden, Juden-Sterne zu tragen, entschuldigten sich viele Holländer zu Beginn noch dafür. Später nicht mehr.“
Menachem Kallus Weg führte ihn vom Leben eines unterdrückten jüdischen Kindes, dem die Erwachsenen viele Antworten nach dem „Warum“ schuldig blieben, bis hin zum nur vordergründig jugendlichen Häftling im Konzentrationslager Ravensbrück. „Ich war gezwungen, die Antworten auf meine Fragen selbst zu finden.“ Auch das habe, so Kallus, dazu geführt, dass er sich mit dem Ende des Krieges nicht wie ein 13-Jähriger, sondern „wie ein 40-Jähriger“ gefühlt habe.
Übersetzt durch die Schauspielerin Alice Hoffmann, Menachem Kallus’ Schwägerin, und begleitet von seiner Schwester Emmie Abel, entführte der englischsprechende Kallus die Schüler in eine Schreckenszeit, von der heute nur noch wenige Überlebende berichten können. Auch das machte die Einzigartigkeit der gestrigen Veranstaltung aus.
„Ich denke, durch eine solche Veranstaltung ist man einfach näher dran an der Geschichte. Das ist einfach etwas ganz anderes, als etwas aus Büchern zu erfahren“, war sich Schülerin Mareike Richers sicher. Ihre Freundin Hannah Krämers beschäftigte vor allem die Frage, wie sich die Schrecken des Nazi-Regimes gestalteten. Beiden gemeinsam: der Respekt vor Menachem Kallus. „Es ist sehr mutig, dass er heute über sein Leben spricht.“