Auf Grund unseres im Ethikkurs durchgenommenen Themas, der 2. Weltkrieg, beschloss ein Teil der Klasse 9m, das KZ Natzweiler-Struthof am Wandertag zu besuchen. Daraufhin hatte unser Ethiklehrer, Herr Georgen, die Idee, auf dem Weg zum KZ im nahe gelegenen Oberlin – Museum vorbei zu schauen.
Nach unserer Ankunft in Waldersbach wurden wir freundlich von den Mitarbeitern des Museums empfangen, nachdem sie (auf Anfrage von Frau Neumüller - Vielen Dank dafür!) extra nur für uns geöffnet hatten. Normalerweise ist es dienstags geschlossen.
Zum Einstieg in das Museumsgeschehen hatten wir eine Führung eines Elsässers, welcher uns alles Wichtige und Sehenswerte erklärte: Johann Friedrich Oberlin wurde 1740 in Straßburg geboren und starb 1826 in Waldersbach. Er war Philosoph, Pastor und Pädagoge zugleich. Für Menschen aus dem Steintal (Umgebung von Waldersbach) war er aber mehr als nur das. Sie konnten mit jedem Problem zu ihm kommen, daher war er für sie fast schon wie ein Vater. Berühmt war er unter anderem für seine psychologischen Eingriffe, die er durch verschiedene optische Darstellungen veranschaulichte. Dies tat er oft bei Menschen, die vorhatten zu heiraten. Er lud sie in die Kirche ein und zeigte ihnen ein von ihm selbst angefertigtes Gemälde, welches je nach Blickrichtung ein anderes Bild zum Vorschein brachte. So sollten die Paare vor der Ehe lernen, dass man sich auch manchmal in die Rolle des jeweiligen Anderen versetzen muss, um zu verstehen, in welcher Gefühlslage dieser sich befindet. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass er zusammen mit Sarah Bronsat die Idee hatte, eine Art Kinderbetreuung im Sinne des heutigen Kindergartens einzurichten.
Allgemein ist das Museum auf drei Stockwerke verteilt, wobei man Oberlins gut erhaltene Erfindungen und Sammlungen nicht nur besichtigen, nein sogar auch aktiv daran teilnehmen kann. Die Fahrt nach Frankreich lohnt sich daher auf jeden Fall, da man nach dem Besuch weiß, dass nicht alles der modernen Psychologie und Medizin zur jetzigen Zeit erfunden wurde, sondern dass sich auch vor Jahrhunderten Leute damit befassten.
Der Hauptgrund unseres Ausflugs nach Frankreich war das KZ – Natzweiler – Struthof. Es liegt etwas außerhalb des Ortes auf einem Berg, um den herum zwar jetzt ein Wald steht, welcher jedoch damals gefällt worden war. Somit konnte jede Hinrichtung schon von weit her beobachtet werden. Eine der häufigsten angewendeten Ermordungsmethoden war der Galgen. Nach dem Tode wurde man - nicht wie es würdevoll gewesen wäre - begraben, sondern man kam auf die auf dem Bild gezeigte „Behandlungsliege“, welche zu „medizinischen Zwecken“ gebraucht wurde. In Wirklichkeit wurden die Leichen jedoch regelrecht zerstückelt, um eventuell eine „Artgleichheit“ unter den Juden zu entdecken, jedoch führte dies nie zu einem brauchbaren Ergebnis. Mehr oder weniger war diese Art der Folter aber auch ein Spaß für die behandelnden Nazis. Was sie dabei jedoch erreicht haben, weiß niemand so genau.
Nach dem Vollenden dieser Durchführungen verbrannte man die Reste der Leichen gefühllos in einem Verbrennungsofen. Die Asche wurde als Dünger für den Garten der Kommandanten und der Anführer der Nazis in dieser Gegend benutzt. Begehrt war diese Methode unter anderem von dem Kommandant Peter Kramer, der alles andere als menschenwürdig und respektvoll war. Er hatte kein schlechtes Gewissen beim Verzehren der Früchte aus seinem eigenen Garten, nein er saß auch noch „total erschöpft“ von dem Foltern der Juden in seiner großen, nahe gelegenen Villa, um zu entspannen und eine kurze Pause einzulegen.
Die Gefangenen, die sich nicht „artig“ benommen hatten, kamen bei jedem kleinen Fehlverhalten in winzige Räume, die höchstens ein Fenster hatten. Meist mussten sie dort alle ganz eng beieinander bzw. aufeinander hungernd tagelang um das Überleben kämpfen. Jedoch war das auch nicht genug… Zwischen diesen „Gefängnisräumen“ waren unter anderem noch kleinere und engere Verließe, in denen man weder sitzen noch stehen noch liegen konnte. Bei dieser Foltermethode erwartete jeden Insassen ohne Hoffnung auf Überleben der Tod.
Dieser Wandertag war sehr aufschlussreich und lehrreich für unsere Klasse. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert, um die deutsche Geschichte besser bzw. das Handeln der Nazis noch schlechter verstehen zu können. Die meisten von uns waren nach diesem Besuch sprachlos und konnten im gleichen Moment die Situation überhaupt nicht fassen.
Hasret GÜNGÖR, Dania AMRO